Carl Engler und das Indigo

Carl Engler und das Indigo
Carl Engler, Graffiti auf Spanplatte von Christian Krämer, BAG [1996]

Carl Engler wird am 5.1.1842 in Weisweil (Baden) als Sohn eines Pfarrers geboren. Er stirbt in Karlsruhe am 7.2.1925.

Engler studiert ab 1859 Chemie am Polytechnikum Karlsruhe und wird 1863 Assistent. Schon ein Jahr später promoviert er zum Dr. phil. Und geht als Assistent an das Chemische Institut der Universität Halle (Saale). Nach der Habilitation 1867 wird er 1872 Professor. Im Jahre 1876 wird er zum ordentlichen Professor für chemische Technologie und als Direktor des chemisch-technischen Laboratoriums der Polytechnischen Schule nach Karlsruhe berufen. 

Besondere Beachtung erfährt 1870 eine Veröffentlichung von Emmerling, einem Schüler von Baeyer, und Carl Engler, die sich mit der Indigo-Synthese beschäftigt. Emmerling und Engler haben zwar nicht, wie der Titel der Veröffentlichung verspricht, die Indigo-Synthese gefunden. Doch sie haben als erste Forscher die Bildung von Spuren des Farbstoffs aus einem nicht vom Indigo abgeleiteten Materials beobachtet. Doch 25 Jahre später kann Engler eine weitere Forschungsarbeit zum Indigo-Problem veröffentlichen, die von Erfolg gekrönt ist.

Die Indigo-Formel findet sich im Logo der Carl-Engler-Schule, zu sehen im Logo unserer Homepage. (Allerdings hatte schon 1878 Adolf von Baeyer die erste Vollsynthese des Indigos durchgeführt und 1883 die richtige Strukturformel ermittelt.)

Neben der langjährigen Beschäftigung mit der Indigo-Synthese hat sich Carl Engler vor allem in der Erdöl-Chemie einen Namen gemacht. Ab 1884 wendet er sich diesem damals jüngsten Zweig der Chemie zu. Er unternimmt 1885 eine Studienreise in das Erdöl-Fördergebiet im Kaukasus. In späteren Jahren bereist er alle wichtigen Fördergebiete auf der Welt. 

Engler versucht auch 1897 im Reichsgesundheitsministerium in Berlin die Einführung eines Staatsexamens für Chemiker durchzusetzen, was jedoch auf erbitterten Widerstand der Universitäten stößt. 

Im Jahre 1903 tritt Engler in den Aufsichtsrat der BASF ein. Dort gestaltet er ab 1908 die groß angelegte Entwicklung des Ammoniakverfahrens nach Haber-Bosch bis zu seinem Tod 1925 mit. 

Englers Bedeutung für die Chemie liegt in seiner Forschung zur Indigo-Synthese und der Theorie und Praxis der Petrochemie.